Da weinte Jesus.
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Johannes 11, 35
Monatsspruch März 2026
Vor Tagen hatten die Schwestern Maria und Martha ihren Hilferuf, wegen ihres sterbenskranken Bruders Lazarus, an Jesus geschickt: „Der, den du liebst, liegt im Sterben! Komm eilends – es duldet keinen Aufschub!“
Aber Jesus hatte sich Zeit genommen. Er hat dafür einen guten Grund und eine feste Überzeugung: Diese Krankheit dient der Verherrlichung Gottes (Vers 4) und Lazarus, unser Freund, schläft; ich werde ihn aufwecken. (Vers 11).
Jesus wirkt hier,als sei er schon gewiss, dass er ein Wunder tun wird. Ein Wunder, das Gott, der Vater nur durch seinen Sohn tun kann: Den Verstorbenen ins Leben zurückholen!?
So kommt Jesus spät – vier Tage -zu spät?!
Als er endlich vor Ort ist, macht er sich auf den Weg zum Grab. Und nun plötzlich, wie überwältigt von der Macht, die der Tod hat, überwältigt von dem Schmerz der Trauer und des Verslustes:
Da weinte Jesus! Er brach in Tränen aus. Als sei auch er hilflos, nicht mehr mit dem Himmel verbunden, seiner heilenden Kraft beraubt, der er sich kurz zuvor noch sicher war!
Jesus weint! Er fühlt den Schmerz, den Verlust, er fühlt mit den Schwestern und fühlt den ganz eigenen Todesschmerz, der auch schon auf ihn selbst wartet. Jesus steht nicht über den Dingen. Er ist ganz menschlich, ergriffen, fühlt wie du und ich. Und vergießt Tränen. Aber – niemand stellt sich zu ihm, um ihn zu trösten, zu umarmen – oder durch ein Zeichen der Nähe aufzurichten.
Nur wenn wir dann weiterlesen, erfahren wir, dass
die Geschichte gut ausgeht:
Jesus kommt zur Grabhöhle und befiehlt den Verschlussstein weg zu nehmen. Auch der Einwand von Maria - 4 Tage, er stinkt schon- schreckt Jesus nicht. Die innere Verbindung zu seinem himmlischen Vater steht wieder und in Gottes Vollmacht ruft Jesus den Toten ins Leben zurück!
„Lazarus komm heraus!“ (Vers 43). Und so geschieht es.
Ich meine , es lohnt sich noch einen Moment stehen zu bleiben, und diesen deutlichen Einschnitt wahrzunehmen. Der Moment, wo scheinbar alles zu Ende ist – wo nichts gut, nicht alles paletti ist und die Geschichte noch nicht von ihrem guten Ausgang her erzählt werden kann.
***„Es kommt mir vor als bleibe in jedem Jahr die Zeit vor Ostern auch genau an dieser Stelle stehen. Sie setzt eine Zäsur, um Tod, Trauer und das Leid nicht zu überspringen. Und hält inne, da wo Tränen fließen und Zweifel sich breit machen, weil der Ausgang ungewiss ist.
Hier, genau in diesem Zwischenraum, wo das große Wunder in Frage steht, wird das kleine Wunder möglich: Menschen zeigen sich menschlich, weinen und fühlen mit mir, trauern und trösten und kommen einander nah.“
Herzlichst ihr/euer Volker Sturm
***Zitat aus „Bilder vom Himmel, gemalt in die Zeit“ von Tina Willms Inspirationen zur Jahreslosung und den Monatssprüchen 2026
