Alles ist mir erlaubt,
aber nicht alles dient zum Guten.
Alles ist mir erlaubt,
aber nichts soll Macht haben über mich.

1. Korinther 6,12

 

In „ Ein Weggeleit 2024“ fand ich folgenden Text:

Alles ist mir erlaubt!
Wie genial ist das denn bitte?! Ein Freibrief für buchstäblich alles, für den ich mich sogar auf die Bibel berufen kann. Das Buch der Bücher ist sonst dafür bekannt, dass sich in ihm, zumindest auch, Gebote und klare ansagen finden lassen. Alles ist mir erlaubt? Da muss doch ein Haken dran sein, mit anderen Worten ein ABER folgen – uns so ist es auch.
Aber …das Aber fällt anders aus als erwartet. Im Nachsatz wird keine Ausnahme formuliert im Sinne von „Du darfst alles, außer...!“ Durch das Aber wird nicht einmal verboten zu tun, was nicht dem Guten dient. Und überhaupt sagt hier niemand Du und erlaubt oder verbietet mir etwas.

Das Aber setzt mich mit meiner Haltung und meinen Absichten in die Verantwortung. Ich muss absehen, ob das, was ich sage und tue, dem Guten dient. Ich muss entscheiden, ob ich frei bleibe oder mich in neue Abhängigkeiten begebe.

Diese Sätze des Apostels Paulus sind einfach kompliziert. Es ist total einfach: Alles ist mir erlaubt. Und es ist ziemlich kompliziert:
Ich muss prüfen, welches Ziel mein Handeln verfolgt und zudem noch die Folgen für mich und andere abwägen.

In Korinth ging es damals offenbar drunter und drüber. Und es herrschten sehr unterschiedliche Ansichten darüber, was richtig und falsch ist, erlaubt oder verboten. Vor allem schien überhaupt nicht klar zu sein, wer aus welcher Position heraus nach welchen Kriterien darüber entscheiden darf. Paulus findet deutliche Worte und setzt erneut den Maßstab, den er selbst gewonnen hat: Für Christenmenschen gilt das Gesetz der Freiheit, durch das wir uns der Liebe und Gerechtigkeit Gottes unterwerfen und nichts und niemand anderem.

Alles ist mir erlaubt!
Das kommt wie ein Satz auf einem Kühlschrankmagneten oder einer Spruchkarte daher. Beim Lesen weiß ich schon, dass da noch etwas kommt, spätestens im Kleingedruckten. Und richtig-es folgt die heilsame Überraschung. Der eigentliche Gewinn dieses Freibriefes ist die wunderbare Erkenntnis:
Es geht nicht ausschließlich um mich selbst!

Die wenigen Worte haben es in sich. Sie haben nämlich die Liebe in sich. Weil ich frei bin, achte ich die Grenzen meines Gegenübers. Es ist mir erlaubt, zu überlegen, ob das, was ich sagen will, die gute Sache voranbringen oder nur mich selbst in Szene setzen soll. Ich darf mich fragen, ob die Meinung anderer über mich oder mein Zielbild des persönlichen Erfolgs bestimmen dürfen, wie ich mich verhalte. Ich bin frei, zu überprüfen, ob meine Abwehr gegenüber Veränderungen, Unbekanntem, noch nicht Erprobten, anderen Ansichten gerechtfertigt ist oder meinem Kleinglauben entspringt.
Alles ist mir erlaubt!
Und weil ich frei bin und dem Guten dienen will, tue ich nicht alles, was erlaubt ist, sondern das, was ich aus Liebe um der Gerechtigkeit willen will! So einfach und unkompliziert will es sein.

Von Daniela Fricke (Ein Weggeleit 2024 – Männerarbeit im Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW)

 

Euer/Ihr Volker Sturm